Stell dir vor, du steigst in Bus oder Bahn ein – und brauchst kein Ticket mehr kaufen. Doch im Hintergrund zahlst du trotzdem – monatlich, automatisch, wie bei der GEZ. Genau das schlägt die Initiative Dialog-Gesundheit-Klima (DGK) derzeit vor: eine beitragsfinanzierte ÖPNV-Abgabe, mit der jede*r die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs finanzieren würde. Nur: Ist das Zukunft oder Utopie?
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Neue Pflicht-Abgabe: GEZ-Gebühr für Bus und Bahn?
Laut dem Vorstoß der DGK soll der öffentliche Nahverkehr künftig durch einen pauschalen Beitrag finanziert werden – ähnlich der GEZ-Struktur für Rundfunk. Dann bräuchte man keine klassischen Fahrkarten mehr, und Kontrollen würden überflüssig, wie CHIP und die Frankfurter Rundschau (FR) berichten.
Der Vorschlag sieht vor, dass Erwachsene und Unternehmen bis zu 29 Euro pro Monat einzahlen. Im Gegenzug entfällt das Deutschlandticket oder Fahrscheinsysteme würden obsolet. Die Vision: ein fahrscheinfrei nutzbarer ÖPNV, der einfach und kosteneffizient ist.
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Die ÖPNV-GEZ-Idee im Detail
Nach dem Konzept soll der monatliche Beitrag nicht überall identisch sein, sondern sich an der regionalen Qualität des Nahverkehrs orientieren. In großen Städten und Ballungsräumen wären demnach bis zu 29 Euro pro Monat fällig. Regionen mit durchschnittlicher Anbindung würden rund 20 Euro zahlen, während Bewohner*innen ländlicher Gebiete mit schwachem Verkehrsnetz nur etwa 10 Euro leisten müssten.
Beitragspflichtig wären Erwachsene ab 18 Jahren, Arbeitgeber*innen pro Angestellten, gewerbliche Veranstalter*innen sowie Gäst*innen, die in Unterkünften gegen Entgelt übernachten. Kinder und Jugendliche sollen von der Zahlung befreit sein – sie dürften Bus und Bahn also kostenlos nutzen.
Zum Vergleich: Das Deutschlandticket kostet ab 2026 insgesamt 756 Euro im Jahr.
Nach dem vorgeschlagenen Modell würde eine Privatperson selbst im städtischen Bereich weniger als 348 Euro jährlich zahlen, auf dem Land sogar nur etwa 120 Euro, rechnet CHIP vor.
Insgesamt rechnen die Initiator*innen mit rund 21,5 Milliarden Euro Einnahmen pro Jahr – das wären etwa fünf bis sechs Milliarden Euro mehr, als derzeit über Ticketverkäufe in die Kassen der Verkehrsunternehmen flössen. Wie das Modell in der Praxis umgesetzt werden könnte, bleibt jedoch offen. Der Bund müsste ein System entwickeln, das die Gelder gerecht auf die einzelnen Bundesländer verteilt, damit Ausbau und Wartung des Nahverkehrs gesichert bleiben. Schon beim Deutschlandticket hatte es immer wieder Diskussionen über die Finanzierung und Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern gegeben, schreibt CHIP.
ÖPNV nach GEZ-Modell: Chancen & Probleme
Die Vorteile sind, dass kein Ticketkauf mehr nötig wäre (Automaten und Tarifdschungel wären passé). Ein fester Beitrag für alle Nutzer*innen ersparte Ärger mit Vergünstigungen oder Sondertarifen. Wenn der Einstieg leichter würde, könnte das den Anreiz für die Nutzung des ÖPNV erhöhen und so mehr Verkehr auf Bus und Bahn verlagert werden.
Auf der anderen Seite stehen mögliche Finanzierungslücken: Derzeit fehlen belastbare Konzepte, wie Beitrag, Verteilung und Ausgleich für Verkehrsverbünde abgesichert werden. Auch die Lastenteilung zwischen Staat, Ländern und Kommunen wäre neu zu verhandeln.
Besonders Geringverdienende könnten überproportional belastet werden, wenn keine Staffelung oder Ermäßigung vorgesehen ist. Auch private Anbieter und Mobilitätsdienste könnten benachteiligt werden. Und über allem stehen rechtliche & verfassungsrechtliche Fragen: Eine Pflichtabgabe dieser Art berührt Grundrechte und steuerähnliche Regelungen.
GEZ-Idee für ÖPNV: Wie realistisch ist das?
Der Vorschlag ist derzeit nicht gesetzlich verankert, sondern ein Modell der DGK. Aktuell ist das Deutschlandticket mit 58 €/Monat die etablierte Lösung im ÖPNV. Zudem haben Verkehrsverbände und Städte vor finanzieller Sicherheitslücke und Ungleichverteilung gewarnt.
Klar ist: Für eine flächendeckende Umsetzung müsste Bund, Länder und Kommunen mitziehen, Verträge neu gefasst, Technik & Kontrolle neu gedacht werden. Ein spannendes Gedankenspiel bleibt es allemal.

