„Bar oder mit Karte… oder mit den Fingernägeln?“ Eine Frage, die uns an der Kasse bald gestellt werden könnte. Denn eine Technologie aus der Schweiz bringt kontaktlose Mikrochips aufs Nagelbett, die wie eine digitale Geldkarte funktionieren sollen. Obwohl die neue Technologie ungekläre Fragen aufwirft, bieten einige Nagelstudios in Deutschland das Aufkleben der Mikro-Chips bereits an.
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Smart-Chips: Die Kreditkarte unter den Fingernägeln
Tragen wir bald unsere Kreditkarte, unseren Autoschlüssel und unsere Visitenkarte unter den Fingernägeln? So in etwa sieht die Vision des Luzerner Tech-Unternehmens „Smart Chip Switzerland AG“ aus. Um sie zu verwirklichen, entwickelte die Firma neuartige Chips, mit derselben Funktechnik, die schon heute in Kreditkarten und vielen Smartphones steckt. Somit sollen digitale Interaktionen direkt über unsere Fingernägel möglich sein, berichtet Blick.
In Nagelstudios soll der Smart Chip in nur 5 Minuten auf den Nagel aufgeklebt werden können. Dann hält er etwa 6-9 Wochen, bis er erneuert werden muss. Auch beim Sport oder beim Baden soll die Nutzung funktionieren. Mittlerweile hat das Schweizer Unternehmen ihren Smart-Chip in über 100 Nagelstudios in der Schweiz und in Deutschland eingeführt.
Es war ein langer Weg, den Smart Chip und dessen Applikation so perfekt zu entwickeln und zu patentieren, dass er für den weltweiten Markteintritt bereit ist.
Gründer und Verwaltungsratspräsident Claude Niedermann
Smarte Fingernägel: Was steckt hinter der Technologie?
Der Mikrochip selbst ist nur wenige Millimeter klein, ultradünn und besteht aus einem Chip, einer Antenne-Spule und winzigen Kondensatoren. Den Kern bildet Near Field Communication (NFC), eine Funktechnik für kontaktlose Datenübertragung über wenige Zentimeter.
In Kombination mit einer Smartphone-App werden die eigentlichen Zahlungsdaten – etwa von Kredit- oder Bankkarten – sicher hinterlegt. Der Nagel-Chip selbst agiert dann als kontaktloser Auslöser: Er überträgt beim Kontakt mit einem Lesegerät lediglich die nötigen Daten, um eine Zahlung oder einen Datenaustausch zu autorisieren, erklärt Chip.
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Wo liegen die Herausforderungen?
Trotz aller Faszination gibt es noch Hürden: Kosten, Alltagstauglichkeit und Datenschutz stehen ganz oben auf der Checkliste. Gleichzeitig wachen die Fingernägel im Alltag, was regelmäßige Updates oder Neuinstallationen erforderlich macht, so CardScout.
Wichtig sei auch der automatische Schutz vor unerwünschtem Auslesen. Wie bei jeder kontaktlosen Technik gilt es, sensible Daten zu schützen und Missbrauch zu verhindern. Obwohl der Chip keine sensiblen Daten direkt überträgt, muss die App sicher verschlüsselt sein.
Bezahlen mit den Fingernägeln: Was kommt noch?
Die aktuell nutzbaren Funktionen umfassen kontaktloses Bezahlen sowie die Übertragung persönlicher Kontaktdaten. Smart Chip Switzerland AG will künftig weitere Möglichkeiten prüfen, so zum Beispiel Smart Chips unter den Fingernägeln als:
- digitale Schlüssel für Zuhause oder den Arbeitsplatz
- Zugangspässe bei Events oder im Unternehmen
- Gesundheitsdaten-Träger, etwa bei Notfällen
Die Vision ist klar: Unsere Fingernägel sind nicht mehr bloß für relevant für die Beautywelt. Sie werden als tragbares Interface für den digitalen Alltag gesehen. Ob sich diese Technologie etabiliert, wird die Zukunft zeigen.

