Wer schon einmal umgezogen ist, kennt sicher den Spruch: Was du in der ersten Nacht in deiner neuen Wohnung träumst, wird wahr. Laut uralten Sagen verschwimmen in dieser Nacht die Grenzen zwischen der natürlichen und übernatürlichen Welt. Woher der Mythos kommt und was Traumforscher dazu sagen.
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Traum erste Nacht, neue Wohnung: Der kulturelle Ursprung des Mythos
Der Glaube, dass Träume prophetische Kräfte besitzen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Man geht davon aus, dass Träume Einblicke in eine verborgene Wirklichkeit ermöglichen. Zudem gelten sie als Botschaften der Götter. Diese Vorstellung könnte teilweise aus dem Glauben stammen, dass Übergangsphasen – wie der Einzug in ein neues Heim – Momente sind, in denen die Grenze zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen besonders durchlässig ist.
In vielen traditionellen Gesellschaften war und ist es üblich, den Einzug in ein neues Zuhause mit Ritualen und Bräuchen zu begleiten, die sowohl die Geister des Ortes besänftigen als auch Glück und Wohlstand für die Bewohner sichern sollen. Der Traum in der ersten Nacht in der neuen Wohnung wird oft als ein Zeichen gesehen, das über die Qualität und das zukünftige Glück in diesem neuen Heim entscheidet.
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Exkurs: Japan schläft ganz bodenständig
Ähnliche Überzeugungen finden sich auch in asiatischen Kulturen. In Japan zum Beispiel gibt es den Brauch, die erste Nacht im neuen Heim auf dem Boden zu schlafen, um Glück und eine positive Verbindung mit dem Hausgeist zu fördern. Die Träume, die in dieser Nacht erlebt werden, gelten als besonders aussagekräftig für die Harmonie und das zukünftige Glück in der neuen Umgebung.
Die Wahrheit hinter dem Mythos: Was sagen die Experten?
Diese kulturellen Praktiken und der Glaube an die Bedeutung von Träumen spiegeln eine universelle Sehnsucht der Menschen wider: die Hoffnung, dass neue Anfänge unter einem guten Stern stehen. Der Traum der ersten Nacht in der neuen Wohnung wird somit zu einem symbolischen Moment, in dem sich Ängste und Hoffnungen manifestieren.
Trotz der romantischen Vorstellung ist die wissenschaftliche Basis für den Mythos dünn. Traumforscher und Psychologen betonen, dass Träume in erster Linie Verarbeitungen unserer täglichen Erlebnisse, Ängste und Hoffnungen sind. Sie sind stark von unseren Emotionen beeinflusst, die wiederum durch die neue Umgebung und die damit verbundenen Unsicherheiten geprägt sein können.
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Dass ein Traum tatsächlich zukünftige Ereignisse vorhersagt, ist wissenschaftlich nicht belegt und bleibt daher im Reich der Legenden und persönlichen Anekdoten.

Foto: privat Credit: privat
Unsere Autorin Anna Chiara hat viele Jahre mit mentaler Belastung gekämpft. Heute setzt sie sich ehrenamtlich für die Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen ein und schreibt Ratgeber aus persönlicher Erfahrung.


