Ein unscheinbares Zeichen an der Hauswand, am Klingelschild oder nahe der Haustür bleibt im Alltag meist unbemerkt. Für Einbrecherinnen und Einbrecher kann es jedoch eine klare Botschaft sein. Besonders heikel: Ein bestimmtes Symbol soll darauf hinweisen, dass in dem Haushalt „ältere Menschen“ wohnen – ein Hinweis, den Kriminelle gezielt ausnutzen.
Dabei handelt es sich um sogenannte Gaunerzinken. Dieses geheime Zeichensystem wird seit Jahrhunderten verwendet, um Informationen über Häuser und Bewohner*innen weiterzugeben. Auch wenn die Markierungen heute oft dezenter und moderner wirken, ist das Prinzip noch immer aktuell. Expert*innen erklären, was es mit den Zeichen auf sich hat.
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Einbrecher: Der Geheimcode für „ältere Leute“
Alles nur Humbug? Nicht ganz. Auf der offiziellen Präventionsplattform „Polizei Dein Partner“ erklärt Ulrik Damitz, Leiter der Stabsstelle Prävention bei der Polizeidirektion Flensburg: „Von Seiten der Polizei besteht die Vermutung, dass es das Phänomen in den letzten Jahren tatsächlich gegeben hat.“
Doch was steckt dahinter? Tatsächlich sollen einige Gaunerzinken eine bestimmte Bedeutung tragen: Ein „N“ steht angeblich für „nachts einbrechen“, ein „M“ für „morgens einbrechen“. Auch für alleinlebende ältere Menschen gibt es spezielle Zeichen – eines der bekanntesten ähnelt zwei umgedrehten T’s.

Die geheimen Zeichen bringen Einbrecher*innen meist mit Kreide, Filzstift oder kleinen Ritzungen an. Sie finden sich an Klingelschildern, Briefkästen, Hausmauern oder direkt an der Eingangstür. Für Außenstehende wirken sie oft zufällig oder unauffällig, für Eingeweihte hingegen enthalten sie gezielte Hinweise.
Die Vorgehensweise der Täter
In vielen Fällen arbeiten Täter in zwei Schritten: Zunächst spähen Einzelpersonen Wohnhäuser aus und hinterlassen scheinbar unauffällige Markierungen. Erst Tage oder Wochen später folgt der eigentliche Einbruch durch andere Mitglieder der Gruppe. Symbole wie die zwei umgedrehten T’s können Teil einer Reihe von Zeichen sein, die Hinweise auf die Bewohnerstruktur, mögliche Beute oder Sicherheitslücken geben.
Neben klassischen Gaunerzinken nutzen Einbrecher und Einbrecherinnnen heute auch andere Methoden: Wie die Keks-Masche, Papierstreifen, Werbeflyer oder kleine Kunststoffteile, die unauffällig in Türspalten gesteckt werden. Bleiben sie länger liegen oder kleben, gilt das Haus als unbeaufsichtigt.

Gleichzeitig sollte man beachten, dass solche Zeichen auch medial aufgebauscht werden, erklärt die Polizei: Häufig berichten Bürger*innen nur dann von merkwürdigen Markierungen, wenn das Thema gerade in den Medien präsent ist. Aufmerksamkeit ist wichtig, Übervorsicht jedoch nicht nötig.
Zeichen entdeckt: Das solltest du jetzt tun
Wer ein unbekanntes Zeichen an seinem Haus entdeckt, sollte ruhig und überlegt handeln. Expert*innen empfehlen, das Symbol zunächst zu fotografieren, bevor es entfernt wird, um Zeitpunkt und Art der Markierung zu dokumentieren. Anschließend lohnt sich eine gründliche Kontrolle des Eingangsbereichs auf weitere Auffälligkeiten.
Wer sich unsicher fühlt, sollte den Sicherheitsstandard seines Zuhauses überprüfen. Die Polizei rät zu stabilen mechanischen Sicherungen an Türen und Fenstern und – je nach Wohnsituation – zum Einsatz von Alarmanlagen. Moderne Funk-Alarmsysteme lassen sich oft leicht nachrüsten und können schon auf dem Grundstück Alarm schlagen, bevor Unbefugte ins Haus gelangen.

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Aufmerksam sein, aber nicht verrückt machen
Nicht jedes unbekannte Zeichen ist gleich ein Gaunerzinken – oft steckt einfach ein harmloser Kinderstreich dahinter. Dennoch gilt: Unerklärliche Markierungen, besonders an sensiblen Stellen, sollten ernst genommen und nicht einfach übersehen werden. Wer unsicher ist, kann sich an die Polizei oder vertrauenswürdige Sicherheitsunternehmen wenden, um sich beraten zu lassen.

